Bericht zum Notfallseminar 2022

14 Teilnehmer:innen - 9 Referent:innen - 2 vollgepackte Tage

Am 30.06 & 01.07.2022 fand das erste gemeinsame Notfallseminar von Blue Shield Deutschland, der TH Köln und dem Historischen Archiv Köln statt. Insgesamt 14 Teilnehmende, darunter Studierende im Fach Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft und bereits im Berufsleben stehende Restauratoren, Bibliothekare, Museumsfachleute und Archivare, durften wir zum Seminar begrüßen.

Den Start bildeten zwei theoretische Unterrichtsblöcke. Friederike Waentig (CICS, TH Köln) führte in die Grundzüge der Risikoanalyse und Notfallplanung ein und illustrierte die wesentlichen Kernpunkte, die mindestens rudimentär in jeder Kulturgut bewahrenden Einrichtung vorhanden sein sollten. Anschließend stellten Nadine Thiel (Historisches Archiv Köln) und Frank Peters (Berufsfeuerwehr Köln) den Handlungsrahmen der Feuerwehren vor und zeigten anhand einzelner Einsatzszenarien auf, wie die Akteure der Gefahrenabwehr im Notfall unterstützen können und in welchen Fällen sich Einrichtungen selbst helfen müssen - oder auf die Hilfe eines örtliche Notfallverbundes angewiesen sind.

Das Ende des ersten Seminartages bildete die erste Praxisübung, in der die Teilnehmenden das Historische Archiv Köln auf mögliche Risiken abprüfen sollten. Im Vordergrund standen 4 Gefahren (agents): Feuer, Wasser, Vandalismus und biologischer Befall. Unterstützt von Mitarbeitenden des Archivs wurden diese Gefahren in Gruppen bearbeitet und die Ergebnisse anschließend im Plenum vorgestellt.

Der zweite Seminartag war ganz der Notfallpraxis gewidmet, beginnend mit einer Reihe von Vorträgen geladener Referent:innen. Ralf Seeber und Matthias Hageböck von der Klassik Stiftung Weimar berichteten vom Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek im Jahr 2004, blickten zurück auf die Arbeit der Feuerwehr und die Bergungsarbeiten des Bibliotheksbestandes. Susann Harder von Blue Shield Deutschland gab Einblicke in den Bergungseinsatz zur Rettung der Städtischen Sammlung Bad Neuenahr-Ahrweiler im Juli 2021, den sie als ehrenamtliche THW-Einsatzkraft vor Ort koordinierte. Christoph Wenzel vom Historischen Museum in Frankfurt/Main erläuterte die Herausforderungen, aber auch die Chancen, denen man in der Erarbeitung einer effektiven Notfallplanung innerhalb einer Einrichtung begegnen kann. Birgit Geller stellte den Teilnehmenden die einzelnen Handlungsschritte bei der Bewältigung von Notfällen vor und diskutierte das Vorgehen bei verschiedenen Schadensbildern an havariertem Kulturgut, die ihr bei ihrer Einsatzberatung als Werkstattleiterin beim Landschaftsverband Lippe begegnet waren. Zum Abschluss der Vortragsreihe präsentierte Almut Siegel den SicherheitsLeitfaden Kulturgut (SiLK), der insbesondere die Prävention und Notfallvorsorge unterstützt, und den sie als Teil des zuständigen Projektteams seit 2006 entwickelte und 2020 grundlegend aktualisierte.

Die zweite Hälfte des Tages nahm die praktische Übung mit dem Kölner Abrollcontainer Kulturgutschutz ein. Die Teilnehmenden sahen sich mit einem simulierten Wasserschaden an Kulturgut konfrontiert, den es zu bewältigen galt. Dafür wurden Objekte aus unterschiedlichen Gattungen in einem Regal unter Wasser gesetzt. Die Teilnehmenden hatten nun die Aufgabe, anhand des gesammelten Wissens sich zu einem Notfallteam zu organisieren, die Objekte zu bergen und erstzuversorgen - Keine einfache Aufgabe und ein Sprung ins kalte Wasser! Die Bildgalerie gibt hiervon ein paar Impressionen wieder.

Auf Grundlage der diesjährigen Erfahrung und dem Feedback der Teilnehmenden werden wir das Notfallseminar auch kommenden Jahr wieder anbieten, voraussichtlich im Frühsommer. Falls Sie Interesse an einer Teilnahme haben und die Ankündigung mit den Veranstaltungsdetails direkt erhalten möchten, senden Sie uns gern eine entsprechende E-Mail an: notfall-seminar@blue-shield.de